Aufarbeitung der Verbrechen des NSU 

Erinnerungsarbeit im Online-Format 

Wie kann erinnerungspolitische Bildungsarbeit eigentlich aussehen? Wir haben in den letzten Jahren mit den beiden Journalisten Joris Krug und Tom Sundermann und mit dem Historiker Hannes Liebrandt von der LMU München aufwändig zu den Verbrechen des NSU, den Tatorten, Opfern und der juristischen und polizeilichen Aufarbeitung recherchiert. Die Verbrechen der rechtsextremen Terrorzelle vor 20 Jahren haben der Gesellschaft mit Erschrecken vor Augen geführt, wie gefährlich rechte und rechtsextremistische Strömungen für unsere Gesellschaft, unsere Sicherheit und unsere Demokratie sind.  

Um solche Taten möglichst nie wieder passieren zu lassen, braucht es in der Bevölkerung Erinnerung und Verständnis für Zusammenhänge und die gesellschaftlichen Bedingungen, die zu diesen Verbrechen geführt haben. Diese Erinnerung kann durch politische Bildung wachgehalten werden. Daher ist unser Ziel, Erwachsene, Kinder und Jugendliche früh dahingehend zu sensibilisieren, rechtes Gedankengut zu erkennen und sich dagegen zu wappnen. 

Wichtig ist uns dabei eine ausgeglichene Aufarbeitung, die auch die Opfer und deren Angehörige in den Blick nimmt. In den vergangenen 20 Jahren, in welchen an diese Taten erinnert wird, wurde immer wieder zu Recht kritisiert, dass die TäterInnen des NSU viel stärker im kollektiven Bewusstsein verankert sind als die Opfer. Diesem Missverhältnis wollen wir entgegenwirken.

Daher freuen wir uns sehr, dass dritte Staffel des NSU-Podcast gestartet ist! Die Staffel dreht sich vor allem um die Tatorte und – mit Blick auf heute – auch um das Erinnern. Wir nehmen Fälle mit auf, die wir in den ersten beiden Staffeln noch nicht behandelt haben. Tom Sundermann und Joris Krug besuchen dazu die Tatorte und beschreiben, wie sich die Verbrechen vor teils über 20 Jahren ereignet haben, welche Auswirkungen die Taten auf Angehörige und Menschen vor Ort hatten und wie die Tatorte sich seitdem verändert haben. So beschäftigen sich die beiden auch mit den unterschiedlichen Arten und Weisen, wie an die Taten erinnert wird: Gibt es Mahnmale, Gedenktafeln oder anderen Spuren, die an die Ereignisse erinnern? Wer hat sie errichtet, mit welchen Absichten? Wir fragen nach, was von den damaligen Taten heute noch im kollektiven Bewusstsein ist und wie ausgeprägt die Erinnerungskultur in den Städten Nürnberg, München und Köln ist. In Köln beispielsweise ist in der Keupstraße heute, 18 Jahre nach dem Bombenanschlag, bei dem 22 Menschen verletzt wurden und ihr Leben und das ihrer Angehörigen nachhaltig erschüttert wurde, und 11 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU, ein multimediales Mahnmal in Planung. Welche Bedeutung diese späte sichtbare Erinnerung haben kann, besprechen wir in der Podcast-Folge “NSU-Anschlag in der Kölner Keupstraße”. Das späte Gedenken an den Tatorten reiht sich ironischerweise in die Fehler und Versäumnisse der Ermittlungen ein, die sich durch die gesamte Anschlags-Serie ziehen – die haltlosen Verdächtigungen von Angehörigen und Opfern, das nicht-Ermitteln von Hinweisen auf einen rechts-terroristischen Tathintergrund und die problematische öffentliche Kommunikation. 

Umso wichtiger ist es, die Ereignisse und ihre Folgen gründlich aufzuarbeiten und die Fälle im kollektiven Gedächtnis in ihrer Komplexität und im Kontext des rechtsextremistischen Terrors, dem sie angehören, zu verankern. 

Die Staffel wird unterstützt durch ExpertInnen-Gespräche und Tatortbegehungen und bietet eine gute Ergänzung zum Schulunterricht oder ist einfach spannend zum Reinhören! 

Den Podcast findet Ihr auf Spotify oder hier auf unserer Webseite. Auf unserer Webseite haben wir auch die aktuelle Version des E-Books veröffentlicht, die Ihr für Veranstaltungen, den Schulunterricht oder zum Nachlesen nutzen könnt. 

Auf unserem YouTube-Kanal findet Ihr unsere Online-Veranstaltungen, für die wir 2021 vor Ort an den Tatorten mit Euch waren und mit Angehörigen der Opfer, ExpertInnen, KommunalpolitikerInnen und zivilen AkteurInnen ins Gespräch gekommen sind. 

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unser Team – per Mail (info@vollmar-akademie.de) oder telefonisch (08851-780)!

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