Die Geschichte der Akademie

Die Grundsteinlegung des "Schlösschens" auf dem Aspenstein erfolgte vor fast 350 Jahren im Jahr 1693 durch die Mönche des nahegelegenen Klosters in Benediktbeuern, die das Haus als Erholungsheim nutzten. Im Zuge der Säkularisation in Bayern unter Napoleon im Jahr 1806 ging das „Schlösschen“ für kurze Zeit in Staatsbesitz, wurde aber schon nach wenigen Jahren in private Hände verkauft.

Verschiedene Besitzer folgten. Am längsten, nämlich genau 100 Jahre von 1836 bis 1936, befand sich das Haus im Besitz der Familie Dessauer und wurde als Salon zu einem beliebten Treffpunkt von Künstlern und wohlhabenden Kunstliebhabern aus den „höheren Kreisen“ des Bürgertums. In der Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft befand sich das "Schlösschen" in Besitz des „Reichsjugendführers“ Baldur von Schirach. Dieser wurde 1949 für seine Tätigkeit als NS-Gauleiter und Statthalter in Wien, bei der er maßgeblich an der Deportation tausender Jüdinnen und Juden beteiligt war, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Nachkriegsgeschichte des Hauses ist untrennbar auch ein Teil der Geschichte der bayerischen Sozialdemokratie nach 1945. Viele SozialdemokratenInnen mussten während der NS-Diktatur aus Deutschland flüchten, kehrten aber in der "Stunde Null" aus dem Exil zurück. Einer von ihnen war Waldemar von Knoeringen, der während des Krieges bereits im Londoner Exil für politische Bildung und Demokratie in Deutschland gearbeitet hatte. Um die Lücke, die Terror und Verfolgung in die Reihen der sozialdemokratischen ArbeiterInnen gerissen hatten, zu schließen, entstand unter der Regie des späteren Vorsitzenden der bayerischen SPD im Jahre 1948 die "Georg-von Vollmar-Schule". Wenn auch als Parteischule gegründet, sollte das Haus unter der Leitung von Knoeringens zu einer Begegnungsstätte des „offenen Bürgerdialogs“ werden. Demokratie wurde in Kochel "lebendig" erlebbar.

Besonders aber die Finanzierung und Ausstattung der Schule erwiesen sich zu Beginn als sehr schwierig. Der SPD-Landesparteitag beschloss deshalb 1949, dass jedes bayerische Parteimitglied einen Zusatzbeitrag von 10 Pfennig, das sogenannte "Kochelzehnerl" zu zahlen hatte. Nicht zuletzt auch durch den unermüdlichen und ehrenamtlichen Einsatz vieler Münchner JungsozialistenInnen wurde das vom Krieg gezeichnete Gebäude renoviert. Angetrieben von der Begeisterung, nach der Nazi-Diktatur endlich wieder frei denken und reden zu dürfen, nahmen es die Teilnehmer damals in Kauf, mit bis zu zehn Personen in einem Schlafsaal unterzukommen.

1968 wurde aus der Parteischule eine Akademie in Form eines gemeinnützigen, überparteilichen Vereines, die sich aber nach wie vor den Grundwerten der sozialen Demokratie verbunden fühlt. Noch immer sollen in Kochel Denkanstöße für das politisch-soziale Handeln in unserer Gesellschaft gegeben werden.

Die Akademie steht allen interessierten BürgernInnen offen. Georg von Vollmar, Gründervater der bayerischen SPD im Jahr 1892, ist bis heute unser Namensgeber geblieben.